Polyole, auch Zuckeralkohole oder Zuckeraustauschstoffe genannt, stehen auf vielen Verpackungen von Proteinriegeln, Cookies und zuckerfreien Süßwaren, meist als Maltit, Sorbit, Xylit oder Erythrit. Sie schmecken süß, liefern weniger Kalorien als Zucker und lassen den Blutzucker weniger stark ansteigen. Sie sind aber auch der Grund, warum manche Riegel dem Magen-Darm-Trakt zu schaffen machen. In den Riegeln und im Cookie bei Dayvee steckt als Zuckeraustauschstoff Maltit.
Was Polyole sind
Polyole sind Zuckeralkohole, also Verbindungen, die chemisch weder echter Zucker noch Alkohol im Sinne von Ethanol sind. Sie kommen in kleinen Mengen in Obst und Gemüse vor, für Lebensmittel werden sie aber meist industriell hergestellt. Die häufigsten sind:
Maltit (E 965)
Sorbit (E 420)
Xylit (E 967)
Isomalt (E 953)
Lactit (E 966)
Mannit (E 421)
Erythrit (E 968)
Xylit wird unter anderem aus Birkenholz gewonnen, heute aber meist aus landwirtschaftlichen Resten wie Maiskolben und Stroh.
Auch Glycerin ist chemisch ein mehrwertiger Alkohol. In unseren Riegeln steht es als Feuchthaltemittel auf der Zutatenliste und nicht als Süßungsmittel.
Warum sie in Proteinriegeln und Cookies stecken
Polyole süßen nicht nur, sie geben dem Riegel auch Masse, Biss und Saftigkeit. Proteinriegel enthalten viel Eiweiß, das schnell trocken und fest wird. Maltit verhält sich ähnlich wie Zucker und wird deshalb besonders oft in Schokoladenüberzügen und weichen Riegelmassen eingesetzt. Dadurch lässt sich der Zuckergehalt senken, ohne dass Geschmack und Konsistenz stark leiden.
Kalorien: weniger als Zucker, aber nicht null
Für Polyole gilt in der EU ein Energiewert von 2,4 kcal pro Gramm, bei Zucker sind es 4 kcal. Das ist rund 40 % weniger, Erythrit bildet mit praktisch 0 kcal die Ausnahme. Ein Riegel mit Polyolen hat deshalb nicht automatisch wenige Kalorien, denn Eiweiß, Fett und weitere Zutaten zählen genauso mit. Maßgeblich ist die Nährwerttabelle des Produkts.
Was die EU erlaubt
Für Zuckeraustauschstoffe gibt es zwei zugelassene gesundheitsbezogene Angaben, die beide an Bedingungen geknüpft sind.
Lebensmittel, die statt Zucker einen Zuckeraustauschstoff enthalten, tragen zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei.
Solche Lebensmittel führen zu einem geringeren Blutzuckeranstieg als zuckerhaltige.
Ob ein einzelner Riegel die Bedingungen für diese Angaben erfüllt, hängt von seiner Rezeptur ab. Auf unseren Produktseiten werben wir deshalb nicht mit diesen Aussagen.
Verträglichkeit: der wichtigste Punkt
Polyole werden im Dünndarm nur zum Teil aufgenommen. Der Rest wandert in den Dickdarm, bindet dort Wasser und wird von Darmbakterien abgebaut. Das kann zu Blähungen, weichem Stuhl und Durchfall führen. Deshalb müssen Lebensmittel mit mehr als 10 % Polyolen den Hinweis tragen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“
Ab welcher Menge das passiert, ist sehr individuell, manche Menschen reagieren schon auf kleine Mengen. Wenn du einen Riegel oder Cookie zum ersten Mal probierst, nimm lieber nur einen und achte darauf, wie du ihn verträgst. Bedenke außerdem, dass sich Polyole aus mehreren Quellen addieren, etwa aus zuckerfreien Kaugummis, Bonbons und Riegeln am selben Tag. Bei empfindlichem Darm oder Reizdarm sprich vorher mit deinem Arzt. Erythrit gilt im Vergleich zu den anderen Polyolen als besonders gut verträglich.
Und was ist mit Erythrit?
Erythrit steckt in keinem unserer Produkte, wird aber seit 2023 viel diskutiert. Eine Studie von Witkowski und Kollegen in Nature Medicine fand, dass Menschen mit hohen Erythrit-Spiegeln im Blut häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle hatten. Im Labor beschleunigte Erythrit außerdem die Blutgerinnung. Man muss die Studie aber genau einordnen:
Sie zeigt einen Zusammenhang, aber keine Ursache. Es ist nicht geklärt, ob Erythrit das Risiko erhöht oder ob andere Faktoren dahinterstecken.
Die Teilnehmenden hatten bereits Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, und nur im obersten Viertel der Erythrit-Werte war das Risiko signifikant erhöht.
Die EFSA hat Erythrit Ende 2023 neu bewertet und eine tolerierbare tägliche Aufnahme von 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Einen ursächlichen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sieht sie nach aktueller Datenlage nicht belegt, hält aber weitere Forschung für sinnvoll.
Wenn du ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hast, kannst du dein Vorgehen mit deinem Arzt besprechen.
Quellen und weiterführende Informationen
Europäische Kommission – Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben, darunter die zu Zuckeraustauschstoffen, mit Wortlaut und Bedingungen.
EU-Verordnung 432/2012 auf EUR-Lex
EFSA (2011) – Gutachten zu Zuckeraustauschstoffen: Wissenschaftliche Bewertung der Angaben zu Zahnmineralisierung und Blutzuckeranstieg für Xylit, Sorbit, Mannit, Maltit, Lactit, Isomalt, Erythrit und weitere Stoffe.
EFSA Journal – Zuckeraustauschstoffe
Europäische Kommission – Verordnung (EU) Nr. 1169/2011: Lebensmittelinformationsverordnung mit den Kennzeichnungspflichten und Energiewerten, darunter der Hinweis zur abführenden Wirkung von Polyolen.
EU-Verordnung 1169/2011 auf EUR-Lex
EFSA (2023) – Neubewertung von Erythrit (E 968): Sicherheitsbewertung, tolerierbare tägliche Aufnahme von 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht und Einordnung der Herz-Kreislauf-Studien.
EFSA – Neubewertung von Erythrit
Witkowski M. et al. (2023): The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nature Medicine. Beobachtungsstudie mit Laboruntersuchungen zum Zusammenhang von Erythrit im Blut und Herz-Kreislauf-Ereignissen.
Witkowski et al. in Nature Medicine öffnen
Pharmazeutische Zeitung: Einordnung der Erythrit-Studie mit Einschätzung eines Ernährungsmediziners der Charité.
Pharmazeutische Zeitung – Erythrit und Herz-Kreislauf-Risiko
Verbraucherzentrale (Lebensmittelklarheit) – Erythrit: Einordnung von Herkunft, Kennzeichnung und zugelassenen Angaben.
Lebensmittelklarheit – Erythrit
Verbraucherzentrale (Lebensmittelklarheit) – Birkenzucker (Xylit): Einordnung zur Herkunft von Xylit und zur Bezeichnung „Birkenzucker“.